Apulien, Slow Travel

Alberobello

Trulli

Bereits 1996 wurden sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Heute gelten sie als eines der Wahrzeichen der süditalienischen Region Apulien. Sie schmücken Werbeprospekte und sind eine beliebte Touristenattraktion. Man findet sie, allein stehend oder in kleinen Gruppen, in der Valle d’Itria. Aber nirgendwo stehen so viele beisammen wie in Alberobello, der Hauptstadt der Trulli.

Ich berichtete über die weißen Städte Apuliens und versprach den trulli (Sg. trullo) und Alberobello einen eigenen Artikel zu widmen. Wer sich der Valle d’Itria nähert, wird unweigerlich auf die berühmten, kegelförmigen Steinhäuser treffen. Sie sind vereinzelt – oder kleine Gruppen bildend – über das gesamte Itria-Tal verstreut. Bislang habe ich noch niemanden kennengelernt, der sich dem Charme der pittoresken Rundhäuser mit Zipfelmütze entziehen konnte. Früher wurde Alberobello oft mit dem Dorf der Schlümpfe verglichen. Heute hört und liest man immer wieder den Vergleich mit Hobbingen im Auenland. Als gesichert gilt, dass die Einwohner von Alberobello in der Regel weder blau sind, noch pelzige Füße haben.

Über den Dächern von Alberobello

In Alberobello (wörtl. schöner Baum) bilden die trulli ganze Stadtviertel. Über tausend der runden Steinhäuser mit dem markanten Dach sollen hier stehen. Es gibt den berühmten siamesischen trullo und sogar eine Trullo-Kirche wurde errichtet. Heute drängen zahlreiche Touristen aus aller Herren Länder durch die Gassen von Alberobello. Viele trulli wurden schon vor Jahren von ihren Einwohnern verlassen und in Souvenirläden, Bed & Breakfast oder Restaurants umfunktioniert. Ein wenig erinnert die Altstadt an ein apulisches Disneyland: kitschig, aber zweifellos faszinierend. Sehenswert ist die Stadt auf jeden Fall! Und irgendwie kann man die einstigen Einwohner auch verstehen: Ganzjährig in einem trullo zu leben mag romantisch, aber nicht unbedingt sehr bequem sein.

Trullo als Kirche
Die Trullo-Kirche Sant’Antonio im Stadtviertel Rione Monti in Alberobello
Die touristische Seite von Alberobello
In den Straßen von Alberobello: Souvenirs für jeden Geschmack und Geldbeutel

Selbstverständlich gibt es auch weniger touristische Ecken in Alberobello zu entdecken und zu fotografieren. Man muss sich nur zwei Meter von der Hauptmeile des Tourismus in Alberobello entfernen und einen Blick in die Seitengassen werfen, wo der eine oder andere Einheimische noch immer in seinem trullo lebt.

Auf den grauen Dächern der trulli sind oftmals weiße Zeichen zu sehen. Meist handelt es sich um christliche Symbole, wie zum Beispiel das durchbohrte Herz Marias. Aber auch heidnischen Symbole gibt es zu sehen. Traditionell wurden sie als Zeichen gegen den bösen Blick auf die Dächer gemalt und sollten die Bewohnern vor Unglück schützen. Eine interessante Übersicht der verschieden Symbole findest du auf der Webseite I Trulli di Alberobello – I simboli.

Trulli mit Symbolen auf den Dächern
Pinnacoli
Trullidächer mit den abschließenden pinnacoli

Das Dach eines trullo schließt mit dem sogenannten pinnacolo ab. Ob die weißen Abschlusssteine lediglich eine schlichte Verzierung darstellen oder einen symbolischen Charakter haben, ist umstritten. Man findet sternenförmige, runde oder auch abgeflachte pinnacoli.

In der Valle d’Itria wurden in den letzten zwanzig Jahren vielen trulli von ausländischen Investoren aufgekauft, restauriert und zu Ferienresidenzen umgebaut. Viele heute auch mit privaten Pool und allen Annehmlichkeiten, die Touristen heute erwarten. Das Innere ist oft sehr minimalistisch und stylisch. Ob sie noch ihren ursprünglichen Flair haben, bleibt jedem selbst überlassen zu beurteilen.

Alberobello im Winter
Alberobello zur Weihnachtszeit

Trulli findet man in Apulien ausschließlich in dem Dreieck der drei Provinzen Bari, Brindisi und Taranto. Im Salento, dem Süden Apuliens, gibt es ähnliche Gebäude zu sehen, die aber ohne das charakteristische Dach in Form einer Zipfelmütze auskommen müssen. Wir nenne sie Pajare (Sg. Pajaru) oder auch Furnieddhi. Auf sie werde ich in einem anderen Blogartikeln zu sprechen kommen, denn ich habe das Glück einen solchen Pajaru sogar auf dem Grundstück stehen zu haben.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Apulien, Slow Travel

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Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".