Apulien, Slow Travel

Auf den Spuren der Trabucchi

Trabucco Monte Pucci

Von Rodi bis Vieste. Eine Entdeckungsreise entlang der Küste des Gargano.

Meine Suche nach den Trabucchi beginnt nördlich von Rodi Garganico im Sporn des italienischen Stiefels. Das Frühjahr ist noch jung. Die Wolken über der Adria versprechen Regen. Aber dafür gehört mir die Küstenstraße heute allein. Und Wettervorhersagungen sollte man nicht immer Glauben schenken, denn kaum bin ich unterwegs, klärt sich der Himmel über dem Sporn auf. Beste Bedingungen, um mich auf die Suche nach den Trabucchi zu machen. Kurz vor Peschici werde ich bereits fündig. Fotogen präsentiert sich mir zu Füßen der Trabucco di Monte Pucci:

Trabucco im Gargano

Monte Pucci bestand einst aus drei Trabucchi. Der Größere ist noch heute in Funktion. Seit den 70er Jahren verköstigt man hier Besucher mit frischem Fisch. Der Trabucco soll, nach eigenen Angaben, einer der ältesten seiner Art im Gargano sein. Für weitere Informationen und Öffnungszeiten: Trabucco di Monte Pucci

Aber was ist ein Trabucco? Trabucchi (Sg. trabucco) sind Holzkonstruktionen, die an Pfahlbauten erinnern. Sie wurden entlang der adriatischen Küste errichtet und zum Fischfang mit Netzen genutzt. In Apulien sind sie ausschließlich im Gargano zu sehen. Aber sie sind auch an den Küsten der Regionen Molise und Abruzzo anzutreffen. Im Gargano stehen die Trabucchi seit einigen Jahren unter Denkmalschutz.

Ich halte kurz im schmucken Peschici ein. Hoch über der Adria gelegen, hat man sich ganz auf sommerliche Urlauber eingestellt. Pittoresk der Ort, schön der Strand und die umliegenden kleinen Buchten. Leider habe ich nur wenig Zeit. Meine Suche nach den Trabucchi geht weiter.

Peschici

Nur wenige Kilometer nördlich von Peschici treffe ich auf einen der bekanntesten Trabucchi im Sporn Italiens: il Trabucco Punta San Nicola. Leider ist es früh im Jahr und der Gargano, wie auch der Trabucco, liegen noch im Winterschlaf. Auch dieser Trabucco beherbergt heute ein Restaurant, wo Fisch und Meeresfrüchte die Hauptdarsteller sind. Für weitere Informationen und Bilder: Al Trabucco da Mimi

Meine Fahrt geht weiter die Küste entlang. Ich treffe auf einen Trabucco mit dem klangvollen Namen cala lunga, was so viel wie “lange Bucht” bedeutet.

Cala Lunga - Bucht Gargano

Im Gargano befinden sich die meisten Trabucchi zwischen Peschici und Vieste. Es sollen vierzehn an der Zahl sein, die unter anderem von dem Verband “La Rinascita dei Trabucchi Storici“ betreut werden. Mehr über die Geschichte der Trabucchi auf der Webseite des Verbandes: Trabucchi del Gargano

Küste zwischen Peschici und Vieste

Vieste. Ein mediterranes Postkartenmotiv. Eine Ansammlung weißer Häuser auf einem schmalen Felssporn. Es ist schwierig Vieste zu beschreiben ohne sich in Plattitüden zu ergehen. Warum sich das Städtchen zu einer der touristischen Hochburgen im Gargano entwickelt hat, kann man auf den ersten Blick nachvollziehen: Eine malerische Lage, romantische Altstadtgassen, lange Sandstrände in unmittelbarer Nähe — und dann dieses grünblaue Meer. Klick. Das Postkartenmotiv ist auf meiner Speicherkarte.

Vieste

Vieste lenkt mich von meiner Suche nach den Trabucchi ab. Ich spazieren durch die Altstadt, fotografiere die engen Gassen und immer wieder den großartigen Ausblick aufs Meer. Pflichtbewusst werfe ich einen Blick in die Kathedrale, deren Turm die Altstadt überträgt. Erbaut im 11. Jahrhundert, wurde sie 1646 bei einem Erdbeben zerstört, um anschließend in der heutigen Form wieder aufgebaut zu werden. Von der Kathedrale sind es nur wenige Gehminuten bis zum Kastell. Von den Hohenstaufern in strategischer Position errichtet, wird das Bollwerk heute vom italienischen Militär genutzt. Von hier fotografiere ich eines der Wahrzeichen des Gargano: den Kalkfels Pizzomunno.

Kalkfels Pizzomunno
Pizzomunno am Strand von Vieste

Wie nicht anders zu erwarten, ranken zahlreiche Legenden um den Monolith von Vieste. Am besten gefällt mir die Liebesgeschichte von Cristalda, Tochter eines Meersgottes. Sie verliebte sich unsterblich in einen attraktiven Jungspund aus Vieste. Leider waren ihre Eltern über die unstandesmäßige Verbindung erzürnt und verwandelten kurzerhand den Romeo in den Felsen Pizzomunno. Der Legende nach soll alle hundert Jahre der Monolith wieder eine menschliche Gestalt annehmen, um sich mit der geliebten Cristalda treffen zu können. Leider konnte mir niemand Auskunft darüber geben, wann mit dem Event zu rechnen ist!

Trabucco in Vieste

Letztendlich habe ich aber auch in Vieste die Spur nach den Trabucchi nicht verloren. Auf der Punta di San Francesco  – wie der Felsvorsprung genannt wird, der in das adriatische Meer ragt – werde ich fündig. Unterhalb der gleichnamigen Kirche steht ein kleiner, fragil anmutender Pfahlbau. Und da auch im schönem Vieste aller guten Dinge mindestens zwei sind, wartet unterhalb der Altstadtmauern eine weitere Holzkonstruktionen auf Stelzen darauf von mir abgelichtet zu werden.

Trabucco

Ich verabschiede mich vom schönen Vieste und den Trabucchi, die Geschichten aus vergangenen Tagen erzählen, als die Fische noch zahlreich und die Touristen selten an der Adria anzutreffen waren.

Eine andere Art der Reisegeschichte aus dem Sporn des Stiefels ist unter Zwei Erzengel im Gargano zu finden.

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Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".