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Bittere Liebe

Schopfige Traubenhyanzinthe mit geschlossener Blüte

Apuliens Leidenschaft für eine kleine Zwiebel: Lampascioni

Im Februar zeigen sich die ersten schmalen Blätter. Nur wenige Millimeter sind sie breit und kaum zwischen den grünen Halmen der Gräser auszumachen. Aber mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs reckt sie ihren auffälligen, blau-violetten Schopf in die Höhe und verrät ihren Standort auch dem ungeübten Auge. Ein bunter Farbtupfer in der mediterranen Macchia und an Feldrändern. Im Salento nennen wir sie lampascione (pl. lampascioni), aber sie hat viele Namen hier im Süden. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Muscari ComosumSchopfige Traubenhyanzinthe.

Blüte Schopfige Traubenhyanzinthe
Blüte der Schopfigen Traubenhyanzinthe

Die Schopfige Traubenhyanzinthe ist am Mittelmeer beheimatet. Sie wurde aber in warmen Lagen Österreichs und Süddeutschlands eingebürgert, wo sie unter Naturschutz steht (und natürlich nicht gepflückt oder gar ausgegraben werden darf). Mehr dazu unter Bund Naturschutz Bayern e.V.

Im Süden Italiens, insbesondere in Kalabrien, Basilikata und Apulien, aber auch in Griechenland, erfreut sich die Schopfige Traubenhyanzinthe großer Beliebtheit. Dies allerdings weniger aufgrund ihrer dekorativen Blüte. Geliebt wird sie für ihre kleine, braune Zwiebel, die auch dreißig Zentimeter tief in der steinigen Erde steckt. Bei mir im Garten fühlt sie sich ausgesprochen wohl, versät sich ohne mein Zutun und wächst auch zwischen den schmalsten Mauerritzen.

Die kleine Zwiebel der Schopfigen Traubenhyanzinthe
Die kleinen Zwiebeln der Schopfigen Traubenhyanzinthe

Die Zwiebel der Schopfigen Traubenhyazinthen ist ungefähr 3 bis 4 cm groß und von bräunlicher Farbe. Im März ist sie an den Gemüseständen der Wochenmärkte zu finden.

Die Zubereitung der Lampascioni ist einfach, aber zeitaufwendig. Die kleinen Zwiebeln müssen einzeln gut gewaschen und anschließend gehäutet werden. Dann wird das Zwiebelende kreuzförmig eingeschnitten und über mehrere Stunden in Wasser eingelegt. Durch dieses Vorgehen soll die Zwiebel etwas von ihrer Bitterkeit verlieren.

Anschließend werden die Lampascioni in Wasser mit Essig gekocht. Wenn sie gar sind, können sie direkt in Olivenöl, Knoblauch gedünstet und serviert werden. Gerne werden sie auch frittiert gegessen.

Im Salento legt man sie gerne anschließend in Olivenöl ein und verzehrt sie als Vorspeise.

Lampascioni nennt man die Zwiebel der Schopfigen Traubenhyanzinthe in Apulien
Lampascioni

Im Salento darf die Schopfige Traubenhyazinthe nicht auf dem festlich gedeckten Tisch am Vatertag (19. März) fehlen. Le tavole di San Giuseppe in Giurdignano sind eine antike Tradition, die im Hinterland Otrantos bis heute lebendig geblieben ist. Mehr über dieses interessante Fest werde ich schreiben, wenn es wieder möglich ist, solche zu veranstalten bzw. zu besuchen.

Lampascioni auf den "Tavole di San Giuseppe"
Vatertag im Salento: Le Tavole di San Giuseppe in Giurdignano. Lampascioni dürfen auf dem Tisch nicht fehlen.

Wie schmecken Lampascioni?

Sie schmecken ein wenig bitter. Anders kann ich es nicht beschreiben. Einzigartig auf jeden Fall. Apulien liebt bitteres Gemüse – und auch kleine, bittere Zwiebeln. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Entweder man entbrennt in einer bitteren Liebe zu ihr – oder probiert sie einmal und nie wieder.

Selbstverständlich sollen sie ausgesprochen gesund sein, reich an Vitaminen und Spurenelementen, sowie Pektinen und Flavonoiden. Eine blutdruck- und cholesterinsenkende Wirkung wird ihnen zugeschrieben. Als natürliches Aphrodisiakum gilt die Zwiebel der Schopfigen Traubenhyanzinthe ebenfalls. Im wahrsten Sinne des Wortes: eine bittere Liebe.

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Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".