Natur und Meer, Wandern

Neue Wege

Wandern im Süden Apuliens (Salento)

Wandern in Apulien

Herr Hund hat sie lange vor mir gehört und gerochen: Wegelagerer! Und nicht zwei oder drei von den Gesellen, sondern eine große, wilde Horde stellt sich uns in den Weg. Sie tragen Hipster-Bärte und verströmen einen strengen Geruch. Neugierig beäugen sie uns. Ihre Kiefer malmen. Die Mutigsten nähern sich uns langsam. Die Glocken, die sie um ihre langen Hälse tragen, schlagen laut. Der Befehl ihres menschlichen Anführers erklingt. Die neugierige Schar stobt auseinander und gibt uns den Weg frei. Gerne hätte Jack hinterher gesetzt, aber vorsichtigerweise habe ich ihn zuvor an die Leine genommen. Führe einen Border Collie nicht in Versuchung!

Ziege im Süden Apuliens
Wegelagerer im Salento

Wer zu Fuß entlang der Küste Santa Cesarea Terme – Otranto unterwegs ist, trifft regelmäßig auf Schaf- und Ziegenherden. Der Landstrich ist karg und steinig und dem Wind vom Meer ausgesetzt. Ackerbau lässt sich hier kaum betreiben. Bleiben die genügsamen Schafe und die alles fressenden Ziegen, denen kein Dornenbusch heilig ist. Immer hervorragend schmeckt der Ricotta und Käse, der aus ihrer Milch hergestellt wird. Herb oder manchmal auch mild — je nach Saison und der Flora, die gerade wächst und die von den alten Nutztierrassen in schmackhafte Milch umgesetzt wird.

Wandern in Apulien: Vor- und Nachteile

Der Italiener liebt bekanntlich den Fußball. Auch für den Motor- und Radsport ist er zu begeistern. Das Wandern zählt jedoch nicht zu seinen Lieblingssportarten, insbesondere im Süden des Landes. Das bringt Vor- und Nachteile für Wanderer mit sich:

Der Nachteil besteht darin, dass gekennzeichnete Wanderwege noch immer selten sind. Der Salento im Süden Apuliens stellt leider keine Ausnahme dar. Aber Wege gibt es, sogar ausgesprochen schöne, oftmals mit Blick aufs Meer, durch karge Landschaften, die im Frühjahr erblühen und im Hochsommer verführerisch nach Thymian und Oregano duften, um im Herbst, mit den ersten Regenfällen, nach einem langen Sommer, einen zweiten Frühling zu erleben. Langsam ändert sich an der Situation etwas. Der eine oder andere Weg wurde markiert, denn man würde gerne Touristen auch außerhalb der Hauptreisezeit, und nicht nur im Sommer an den schönen Stränden, begrüßen.

Küste Otranto - Santa Maria di Leuca (Apulien)

Abhilfe schafft die Technologie. Außer traditioneller Karten, gibt es einige Apps fürs Smartphone, die dir den Weg weisen. Mein persönlicher und erprobter Favorit ist Komoot, den ich ohne Gegenleistung empfehle, da er sogar die schmalsten tratturi (dt. Maultierpfade) findet.

Aber kommen wir zu den Vorteilen vom Wandern im Süden Apuliens: Du bist meist allein — abgesehen von der einen oder anderen Schaf- und Ziegenherde. Bestenfalls am Wochenende triffst du auf vereinzelte Wanderer und Mountainbikern aus der Umgebung. Deren Verdienst ist es, dass manche Wege überhaupt begehbar sind. Du kannst die Stille hören, dich an der Natur erfreuen und zu Fuß, langsam und in Ruhe, die schönsten Küstenregionen Apuliens entdecken. Was braucht es mehr?

Die beste Jahreszeit zum Wandern im Salento

Die beste Jahreszeit, um Apulien zu Fuß zu entdecken, ist ohne jeden Zweifel das Frühjahr. Von März bis Ende Mai blüht die mediterrane Macchia. Es ist angenehm warm, aber noch nicht zu heiß, um ausgiebige Touren zu unternehmen.

Im Juli und August sind die Temperaturen zu hoch, um tagsüber unterwegs zu sein. Für Frühaufsteher, die keine Mühe scheuen, kann ich kurze Wanderungen am frühen Morgen, zwischen sechs und neun Uhr, empfehlen. Das frühe Aufstehen wird mit spektakulären Sonnenaufgängen belohnt.

Sonnenaufgang an der Küste Santa Cesarea Terme - Otranto (Apulien)
Sonnenaufgang im Hochsommer

Der September ist mittlerweile fast so warm wie der Monat August. Der erste Regen, auf den wir sehnsüchtig nach dem heißen, langen Sommer warten, kommt auch im Salento immer später. Die Nächte mögen bereits kühler sein, aber die Temperaturen bleiben tagsüber noch immer hoch. Lange Wanderungen würde ich daher erst gegen Ende September einplanen.

Wonnemonate sind für Wanderer auch Oktober und November. Der erste Regen, nach den langen Sommermonaten, führt dazu, dass es wieder grünt, wenn auch nicht blüht wie im Frühjahr. Wer Pech hat, kann natürlich ein paar Regentage erwischen. Aber mit ihnen ist in nördlichen Regionen bekanntlich auch im Sommer zu rechnen.

Der Dezember und Januar sind die kältesten Monate. Regelmäßig fegt der kalte Tramontana Wind vom Balkan über den Salento. Mit entsprechender Bekleidung stehen auch diesen Monaten Wanderungen nichts im Wege. Die kühle, klare Luft garantiert an vielen Tagen eine spektakuläre Fernsicht. An der ionischen Küste im Westen ist das Gebirge der Basilikata und Kalabriens regelmäßig zu sehen. Die Ostküste, von Otranto bis Tricase, bietet Fernblicke zu den verschneiten Gipfeln Albaniens und den Diapontischen Inseln Griechenlands.

Die Berge Albaniens von Italien aus gesehen
Leider nur mit dem Handy geknipst: Die Berge Albaniens von Italien aus gesehen (Januar 2021)

Der Februar gibt einen kleinen Vorgeschmack auf den kommenden Frühling. Sonnige Tage mit idealen Temperaturen zum Wandern sind keine Ausnahme. Die ersten zarten Knospen an wilden Birnenbäumen zeigen sich. Gänseblümchen blühen unter Olivenbäumen.

Der Salento ist flach und weist nur wenige Steigungen auf. Daher ist er auch für weniger erfahrene und trainierte Wanderer geeignet. Passende Kleidung, bequeme Schuhe und etwas zum Trinken sind in der Regel ausreichend.

Wandern mit Hund im Süden Apuliens
Unterwegs im Süden Apuliens: Border Collie Jack und meine Wenigkeit

Da ich fast täglich zu Fuß unterwegs, entstand die Idee auch auf Pen & Sea über meine Wanderungen und Erkundungstouren zu berichten. Immer mit von der Partie ist Border Collie Jack. Über die Landschaft, Fauna und Flora werde ich detailliert in den einzelnen Blogposts eingehen.

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Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".