Cilento, Slow Travel

Die Tempel von Paestum

UNESCO Weltkulturerbe Paestum

Zu Gast bei Athena, Hera und Poseidon im süditalienischen UNESCO-Weltkulturerbe Paestum

In Paestum habe ich vor vielen Jahren meinen ersten griechischen Tempel gesehen. Damals konnte ich antiken Ruinen noch nicht viel abgewinnen. Von meinem Besuch in Pompeji sind Erinnerungen an viel Staub und noch mehr Touristen geblieben. Aber die Tempeln von Paestum haben mich sogar damals beeindruckt. Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen. Und heute, im reiferen Alter, finde ich zunehmend Gefallen an archäologischen Ausgrabungsstätten in Italien und Griechenland. Da ich kurz zuvor den Göttern auf der Akropolis einen Besuch abstattete, habe ich die ersten Gelegenheit genutzt den griechischen Tempeln von Paestum nochmals meine Aufwartung zu machen.

Die Ruinenstätte von Paestum

Beeindruckend ist nicht nur die Größe der Tempel, sondern auch deren Erhaltungszustand. Meine Erinnerungen haben mich nicht getrogen. Bei meinem heutigen Besuch habe ich das Glück einen kompetenten Reiseführer an meiner Seite zu haben, der geduldig alle Fragen beantwortet.

Tempel der Athena
Der Tempel der Athena (oder Athene) in Paestum

Der Tempel der Athena, auch Ceres-Tempel genant, ist der kleinste der drei Tempel in der Ausgrabungsstätte von Paestum. Ich zähle 13 dorische Säulen an der Längsseite. Meine fachlich versierte Begleitung weist mich auf die ionischen Architekturelemente hin, was ungewöhnlich für den ansonsten dorischen Stil wäre. Spontan beschließe ich, dass der Athena-Tempel aus dem 6. Jahrhundert vor Christus mir von allen Tempeln am besten gefällt.

Südlich warten der Tempel der Hera und des Poseidon auf die Bewunderung der Besucher. Der Hera-Tempel oder Basilika ist der älteste Bau in Paestum. Der Tempel des Poseidon — niemand kann allerdings mit Sicherheit sagen, ob er tatsächlich dem Gott des Meeres geweiht war — wird hingegen auf das 5. Jahrhundert vor Christus datiert und ist somit der Benjamin der Tempel in Paestum. Gleichzeitig gilt er als das Wahrzeichen der Ruinenstätte. Viel fotografiert, ziert er Werbematerial und die heute selten gewordene Postkarte.

Poseidon-Tempel
Das Wahrzeichen von Paestum: Tempel des Poseidon

Vor 1500 Jahren wurde Paestum von seinen damaligen Bewohnern aufgegeben. Das umliegende Gelände war zunehmends versumpft und die Maleria breitete sich aus. Wiederentdeckt wurde Paestum erst im 18. Jahrhundert. Die ersten Kulturreisende — der berühmteste ist ohne Zweifel Johann Wolfgang von Goethe — besuchten die Tempel. Goethes Eindrücke gibt es in seiner Italienischen Reise nachzulesen. Aber auch Ferdinand Gregorovius berichtet in Wanderjahre in Italien über diesen Landstrich der Provinz Salerno.

Details der Tempel in Paestum

Wie ich nachlesen konnte, bin nicht nur ich verwundert darüber, dass die Tempelanlage in Paestum, trotz der dort häufig auftretenden Erdbeben, bis in die heutige Tage in einem solch guten Zustand die Jahrhunderte überstanden hat: Poseidontempel von Paestum überdauert Erschütterungen. Vielleicht sollte die heutige italienische Architektur sich an der Antike ein Beispiel nehmen.

Der Wind weht am Tag meines Besuchs kalt durch die archäologische Ausgrabungsstätte. Es ist kurz vor Sonnenuntergang und ich gehöre zu den letzten verbliebenen Besucher. Als wäre dies nicht ausreichend, um für eine fast surreale Atmosphäre zu sorgen, bekomme ich als Abschiedsgeschenk noch einen kitschig anmutenden Sonnenuntergang geboten.

Ruinenstätte Paestum bei Sonnenuntergang
Sonnenuntergang in Paestum

Das archäologische Museum von Paestum

Lass‘ Dich nicht von dem hässlichen Museumsgebäude im faschistischen Architekturstils Mussolinis abschrecken, denn die ausgestellten Exponate lohnen einen Besuch. Herzstück der Ausstellung ist das 1968 bei Paestum entdeckte Grab des Turmspringers (Tomba del Tuffatore). Im Museum gibt es weitere Platten der Nekropole zu sehen, wie zum Beispiel die Szene der Liebenden (Scena degli Amanti). Ein lesenswerter Artikel von 1970 habe ich im Archiv von DIE ZEIT entdeckt: Eine aufregende Entdeckung in Paestum — Das Grab des Tauchers.

Für weitere Informationen, die offizielle Seite des archäologischen Museums: http://www.museopaestum.beniculturali.it/.

Für aktuelle Veranstaltungen lohnt sich auch ein Blick auf die Facebook-Seite: Parco Archeologico Paestum

Dies war mein zweiter Besuch in Paestum. Das erste Mal kam ich an einem heißen Septembertag ins Schwitzen. Bei meinem diesmaligen Besuch bin ich dafür fast vom Winde verweht worden. Die kühle Jahreszeit, die wenigen Besucher und die daraus resultierende Ruhe machte meinen Besuch der Ruinenstätte zu einem besonderen Erlebnis.

Meine Reise in den Cilento war auf Einladung der Ente Provinciale per il Turismo Salerno in Kooperation mit Angela Riccio und Superficie 8. Meinen herzlichen Dank geht an die Organisatoren.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Cilento, Slow Travel

von

Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".

1 Kommentar

  1. Pingback: Im Herzen Siziliens | Pen & Sea

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.