Athen, Slow Travel

Über den Dächern Athens

Blick auf Athen

Gute Vorsätze existieren, um nicht eingehalten zu werden. Vor Antritt meiner Reise nach Athen, verkündete ich voller Inbrunst kein Wort über die berühmteste aller griechischen Sehenswürdigkeiten zu verlieren. Und hier stehe ich nun, hoch oben auf der Akropolis, vergesse alle guten Vorsätze und bilde in Gedanken die ersten Sätze, um meine Eindrücke für die virtuelle Nachwelt festzuhalten. Allerdings bin ich mir noch unschlüssig, was mich mehr beeindruckt: die Ruinen des Parthenon oder die Aussicht auf das Häusermeer der Metropole Athen; ruhmreiche Antike oben oder die schnöde griechische Moderne unten.

Auch wer noch nie in Griechenland gewesen ist, wird unzählige Bilder von der Akropolis und dem Parthenon gesehen haben. Besonders interessiert war ich an dem Tempel, hoch über den Dächern des modernen Athens, nicht. Eine Sehenswürdigkeiten, wie so viele andere – so dachte ich zumindest – bis ich den ersten Blick aus einer der Häuserschluchten auf den Parthenon warf. Ich war fasziniert von dem Tempel in luftiger Höhe. Vielleicht lag es an dem Kontrast zwischen der betonreichen Moderne unten und der berühmten Antike oben. Zu meinem und Athens Glück gibt es viele gute Gründe die Hauptstadt Griechenlands zu besuchen. Ohne Zweifel ist die Akropolis und der Parthenon einer davon.

Blick von Monastiraki zum Parthenon
Blick von Monastiraki zur Akropolis

Am Südhang der Akropolis

Ende Oktober habe ich sowohl mit dem Wetter als auch mit den Touristenströmen Glück. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und ich muss nicht eine Minute anstehen, um in das archäologische Kleinod eingelassen zu werden. Nach wenigen hundert Metern treffe ich auf einen armlosen, fotogenen Poeten und das bekannte Dionysos-Theater.

Dionysos, der Gott des Weines. Wie groß das Theater einst war, lässt sich sehr gut von oben erkennen. Ein paar Ehrensitze sind in den unteren Reihen auszumachen. Wobei ich mir nie sicher bin, was Reproduktionen oder originale Antike ist. Immerhin soll das Theater, wo klassische Dramen ihre Uraufführung hatten, einst stolze 17 000 Sitzplätze gezählt haben.

Ebenfalls am Südhang gelangt man zum Odeion des Herodes Attikus. Im Gegensatz zum Dionysos Theater ist es römischen Ursprungs und konnte nur 5000 Sitzplätze aufweisen. Hier finden seit vielen Jahren im Sommer Festspiele statt (Athens Festival). Das Theater ist nur während der Aufführungen zugänglich. Ich muss mich mit einem Blick von Außen auf das römische Bauwerk begnügen.

Odeon des Herodes Attikus
Theater des Odeon des Herodes Attikus. Im Sommer finden hier die Festspiele Athens statt.

Im heiligen Tempelbezirk

Um auf das obere Plateau der Akropolis zu gelangen, führt der Rundgang den Besucher unweigerlich zu den Propyläen. Die monumentale Eingangshalle ist trotz Baugerüsten sehenswert. Hier werden die ersten Erinnerungsbilder geknipst. Mir kommt die Ehre zu eine japanische Reisegruppe zu fotografieren :-).

Propyläen Akropolis
Monumentale Eingangshalle zum heiligen Bezirk der Akropolis mit Baugerüsten: Propyläen
Beulé-Tor
Aus römischer Zeit stammt das Beulé-Tor

Ich erklimme die letzten Stufen bis zum Heiligtum der Antike. Zu meiner Linken steht das Erechtheion mit den berühmten Karyatiden. Gemeinsam mit dem Parthenon gehört der Tempel unbestritten zu den bekanntesten Bauwerken auf der Akropolis.

Erechtheion und Karyatiden
Korenhalle des Erechtheion auf der Akropolis

Selbstverständlich betrachte ich nur die Reproduktionen der Karyatiden. Die Originale befinden sich im Akropolis Museum und auch dort kann man nicht alle sechs Statuen besichtigen. Eine der Koren befindet sich im Britischen Museum in London. Seit Jahren fordert Griechenland die Rückgabe der sogenannten Elgin oder Parthenon Marbles.

Ich schaffe es den Parthenon, der Athene geweihte und größte Tempel der Akropolis, fast ohne Touristen abzulichten. Baugerüste kommen freilich mit auf das Bild — ohne sie werden wir das Wahrzeichen Athens wohl auch die nächsten Jahre kaum bewundern können — was der Schönheit des Parthenon aber keinen Abbruch tut. Ehrlich gesagt, ich habe sogar wesentlich mehr Gerüste erwartet.

Parthenon
Der Göttin Athene geweiht und bis heute Symbol der griechischer Antike: Parthenon

Nachdem die griechischen Götter aufs Abstellgleis landeten, fand der Tempel der Athene Verwendung als Kirche und Moschee. Es war wohl weniger klug von den Osmanen ihn als Pulvermagazin zu nutzen, denn unter der venezianischen Belagerung 1687 explodierte der antike Bau. Kunsträuber, Umweltverschmutzung, schlecht ausgeführte Restaurierungsarbeiten haben das Übrige erledigt. Auch Athene wird sich oft gedacht haben:

Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

Friedrich von Schiller, Die Jungfrau von Orléans

Über den Dächern Athens

Die griechische Antike mag faszinierend sein, aber auch der 360° Rundblick von der Akropolis über die Metropole Athens ist ein guter Grund, um den Kalkfelsen zu erklimmen. Antike oben und schnöde Moderne unten. Man blickt über das fast endlose Häusermeer des Großraumes Athens, wo man großzügig mit Beton und sparsam mit Bäumen gewesen ist. Eine Stadt, die in den letzten hundert Jahren ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum erlebt hat. Unter mir leben heute knapp die Hälfte aller Einwohner Griechenlands.

Blick auf Tempel des Hephaistos
Rechts: Der Tempel des Hephaistos
Blick auf Athen
Das Häusermeer von Athen
Blick zum Lykabettos
Blick zum Lykabettos (oder Lykabettus) Hügel und dem griechischen Parlamentsgebäude
Olympieion
Blick zur Ruine des Olympieion

Während ich andächtig den Parthenon betrachte, schreit neben mir ein Italiener lautstark in sein Handy. Gleichzeitig philosophiert ein deutsches Ehepaar über die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands. Ohne große Umschweife werde ich wieder in das Europa der Gegenwart katapultiert. Ich verabschiede mich vorerst von der griechischen Antike und verlasse den heiligen Tempelbezirk durch das Beulé-Tor. Mein letzter Blick auf die berühmte Sehenswürdigkeit ist es allerdings nicht gewesen: Von der Akropolis hat man einen schönen Blick über die Dächer Athens, aber ebenso blickt man von vielen Dächern der Stadt auf den immer gegenwärtigen Parthenon.

Akropolis bei Nacht
Beleuchter Parthenon bei Nacht
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Lebt mit Border Collie Jack in Apulien am Meer. Nimmt den Begriff Slow Living wörtlich, widmet sich dem Schreiben und bloggt auf Pen & Sea unter dem Motto "natürlich mediterran".

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